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arte

Impressionen vom arte-Empfang  

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Filmfest 2009

Preisträger 2008

 

Finanzierungsmodelle

Auch wenn die neuen Finanzierungsmöglichkeiten in Frankreich und Deutschland „Tax Credit“ und "DFFF" doch eher die Independent-Produzenten außen vor lassen, ist es natürlich spannend, zu hören, was das Nachbarland tut, um internationale Koproduktionen anzukurbeln.

In einem Panel am Samstag Vormittag berichteten Christine Berg vom DFFF, und Patrick Lamassoure von Film France über Rahmenbedingungen und Möglichkeiten.

Pitch yourself

Eine neue Veranstaltung des Bundesverbandes der Fernseh- und Filmregisseure bot am Montag Nachmittag Nachwuchskräften die Gelegenheit, neue Film- Und Fernsehprojekte einem Fachpublikum zu pitchen. 

Von der Idee her also eine gute Gelegenheit, seine neuen Projekte den Profis der Branche vorzustellen.

Was dann allerdings den eingeladenen Redakteuren und Produzenten vorgestellt wurde, war nicht immer wirklich ausgegoren. Hier hätte eine strengere Auswahl das Niveau positiv beeinflussen können und auch sollen.

CSU Filmgespräch

Bei der Diskussion rund um den Filmstandort Bayern, äußerte sich Bernd Eichinger einmal mehr etwas drastischer und erklärte den anwesenden Medienpolitikern, dass München im Vergleich zu Berlin keinen einzigen großen Film werde anziehen können, es sei denn, man "scheiße diesen mit Kohle zu". Außerdem bemängelte er die fehlenden Studiokapazitäten, weil die Bavaria fast ausschließlich aus Fernsehgeschäft setze.

Die undezente Anmerkung bezieht sich natürlich auch darauf, dass in Berlin auch keine US-Kinofilme andocken würden, wenn nicht all die Millionen aus dem DFFF die Dreharbeiten für Tom Cruise, Quentin Tarantino & Co derart versüßen würden.

arte-Empfang

arte

arte-Fernsehspielchef Andreas Schreitmüller begrüßt die Gäste  

Diesmal verlief der Empfang ohne die traditionellen Regenschauer, sodass die Terrasse vor dem Forum des deutschen Museums willkommene Freiluft-Plattform für Gespräche mit Kollegen, Schauspielern und Redakteuren war. 

Allgemeiner Tenor bei den Gesprächen war, dass die Fernsehsender die Budgets spürbar herunterdrücken. Während das bei den Privatsendern auf Grund von sinkenden Werbeeinnahmen und seltsamsten Aufkäufen und Wiederverkäufen diverser Konsortien noch nachvollziehbar ist, erstaunt die Reduzierung der Budgets bei den Öffentlich Rechtlichen Sendern mit ihren gesicherten Rundfunkgebühren dann doch.

Da wird bereits gerne mit möglichen Einnahmerückgängen in der Zukunft argumentiert, vorauseilend sozusagen, ohne Not. Dass die Redakteure für diese Kürzungen überhaupt nichts können, ist selbstverständlich, sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen den Filmschaffenden und den Verwaltungen der Sender.

Für Viele ist arte trotz oder gerade wegen einer niedrigen Zuschauerbeteiligung einer der wenigen, vielleicht der einzige Sender, bei dem die Quoten nicht das Diktat der Programmgestaltung sind.

Gesprächsrunden

Frears

Starregisseur Steven Frears in der Black Box im Gespräch mit Robert Fischer  

Einer der ganz Großen im europäischen Kino, dem eine der diesjährigen Reihen gewidmet ist, Steven Frears diskutierte mit Robert Fischer in der Black Box des Gasteigs. Der britische Regisseur wurde mit Filmen wie "Mein wunderbarer Waschsalon" oder "Samy und Rosy tun es" einem breiteren Publikum bekannt. Sein aktueller Film "Cheri" startet im Sommer in den Kinos.

Sein Bekenntnis, dass er eigentlich gar nicht zum Film wollte und dies eher ein Versehen war, belustigte die Zuhörer. In den 60er Jahren, so Frears gehörte er zu den Menschen, die dachten, sie könnten die Welt verändern. Dies sei ein Irrtum gewesen, wie er heute weiß.

Die Gesprächsrunden im Gasteig gehören zu den Highlights des Münchner Filmfestes und sind wärmstens empfohlen.

Förderpreis Deutscher Film- Skandal

Mittwochabend fand die Verleihung des BR, Bavaria & Hypovereinsbankpreises statt. Unter den Filmen die auf dem Münchner Filmfest gezeigt werden, sollten diverse hochdotierte Preise vergeben werden.

Der "Förderpreis Deutscher Film" vergibt Preise für beste Nachwuchsregie (20.000 Euro), den besten Nachwuchsproduzenten (20.000 Euro), den besten Nachwuchsautor (10.000 Euro) und den/die besten Nachwuchsschauspieler / die beste Nachwuchsschauspielerin (je 5.000 Euro) 

Doch alles kam anders und erzeugte einen vermutlich notwendigen, für das Filmfest aber dennoch unangenehmen Skandal. Denn zum ersten Mal in seiner 20 jährigen Geschichte wurden die Preise in den wohl wichtigsten Kategorien beste Regie und bestes Drehbuch aus Mangel an Qualität nicht vergeben. Die Jury, zu der auch Regisseurin Caroline Link, der Schauspieler Maximilian Brückner und der Produzent Uli Aselmann gehören, wollte mit ihrer Entscheidung ein Zeichen setzen.
FFF

Eines der zahlreichen Panels im Foyer  

Damit reagierte die Jury einerseits auf das Niveau der ausgewählten Filme und andererseits auf die Vorauswahl, welche von Seiten der Sponsoren des Preises getroffen wurde, die damit den Entscheidungsrahmen der Jury deutlich einschränkte. Caroline Link sprach gar von Bevormundung und sagte wörtlich: 

"Wir haben händeringend nach einem Film gesucht, der eine Geschichte erzählt, der in irgendeiner Weise relevant ist.  Von einer politischen oder gesellschaftlichen Bedeutung wage ich schon gar nicht mehr zu reden. Aber da war nichts, was uns berührt oder interessiert hätte. Man fragt sich dann schon, woran das liegt. Gab es in diesem Jahr nicht mehr spannendes, junges Kino? Wollen die entsprechenden Filmemacher nicht nach München, wollen sie woanders hin? Oder sieht das Filmfest München nicht die richtigen Filme, wählt also die falschen aus?"

Nach der Bekanntgabe auf der Pressekonferenz kam es zu hitzigen Diskussionen zwischen der Jury, den Preisstiftern und nominierten Regisseuren sowie Autoren, die sich Hoffnungen auf den Preis gemacht hatten. Sie fühlten sich betrogen, einer von ihnen hielt allein schon den Umstand, einen Film mühsam fertiggestellt zu haben, für preiswürdig. Diese Aufregung ist verständlich, schließlich gehen einige Filmemacher mit ihrer Premiere vor allem wegen der Aussicht auf diesen Preis nach München. Und doch ist die Qualitätsfrage endlich einmal wieder gestellt worden. Das ist mutiger, als einmal mehr lächelnd Schecks für Mittelmaß zu vergeben.

So wurde die Hälfte des Geldes schlichtweg nicht vergeben. Dass dahinter nicht einfach nur Einsparmaßnahmen der beteiligten Stifter stehen, beweist der Umstand, dass man beschlossen hat, die nicht vergebenen 30.000 Euro der Münchner Filmhochschule zu spenden. Weshalb allerdings ausgerechnet eine so hoch subventionierte Filmhochschule das Geld erhält, wäre schon wieder diskussionswürdig. Es gibt talentierten Filmnachwuchs auch an ganz anderen Stellen in Deutschland, der ohne jede staatliche Subvention filmische Qualitätsarbeiten auf die Beine stellt. Doch das ist wieder ein ganz anderes Thema.

FFF Empfang

FFF

Symbolische Rückzahlung von Förderdarlehen erfolgreicher Kinofilme  

Am Donnerstag bot der traditionelle FFF-Empfang reichlich Gelegenheit über den Preisvergabe-Eklat und die Geschicke der Branche zu diskutieren. Wie in jedem Jahr nahm Klaus Schaefer wieder symbolisch Schecks mit Rückzahlungen von Förderdarlehen in Empfang und verbreitete eine positive Stimmung trotz mancher Krisen.

Zwei mächtige Grillstationen hüllten die Besucher auf der Freiterrasse am Haus der Kunst zeitweise in dichten Nebel, erfahrene Filmschaffende wissen, wie schwer so etwas am Außen-Drehort herzustellen ist.

Wie man in den Gesprächen heraushören konnte, stellen sich vor allem die Fernsehredaktionen als Bremse und Nadelöhr heraus. In anderen deutschsprachigen Filmländern wie Österreich oder der Schweiz sitzt kein einziger Fernsehvertreter in Fördergremien und man kann selbstverständlich ohne Fernsehbeteiligung Förderung beantragen. Das ist hierzulande gänzlich anders, ohne Fernsehen oder die immer ängstlicher und restriktiver werdenden Filmverleiher geht in hiesigen Förderinstitutionen gar nichts. Eine beispiellose kreative Bevormundung, die im Vorfeld von Produktionen widerspiegelt, was im Nachhinein vielleicht auch die Förderpreisjury zur Verweigerung der Preisvergabe bewogen hat.

Neben derlei Gesprächen war der Empfang natürlich auch und ganz besonders Gelegenheit, Kolleg-inn-en wiederzusehen. Als sich die Reihen gelichtet hatten, sah man noch das FFF-Team an langer Tafel beisammen sitzen, und den beliebten, langjährigen Pressechef des FFF, Lothar Just verabschieden.

Cine Merit Award

Haneke

Preisträger Michael Haneke  

Der Plan bestand schon vor der Verleihung der Cannes-Palme, den gebürtigen Münchner Michael Haneke mit dem Cine Merit Award auszuzeichnen. Ein Ehrenpreis für das Lebenswerk. Laudatorin Susanne Lothar lobte ihren Regisseur, Oberbürgermeister Ude gratulierte in einer launigen Rede. Im Anschluss an die Preisverleihung wurde Hanekes aktueller Film "Das weiße Band" im Carl Orff Saal des Münchner Gasteigs aufgeführt.

Eine Geschichte über die Strenge in einer protestantischen Dorfgemeinschaft kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Nicht nur einige der erwachsenen Hauptfiguren sind gegenüber ihren Kindern oder Lebenspartnern streng, auch der Regisseur ist streng zu seinem Publikum. Er zwingt es, auch Längen und erzählerische Schwächen zu ertragen, zwingt es eine recht eindimensionale Weltsicht auszuhalten. Selbst die wenigen Momente von Heiterkeit unter den Protagonisten bleiben gefühlsarm und anstrengend. Man könnte meinen, hier erzählt Einer Geschichten, der nur selten lacht und die Menschen nicht liebt.

Viele Spuren kleiner und größerer Verbrechen innerhalb des Dorfes werden von hervorragenden Schauspielern, darunter zahlreiche Kinder und in einer authentischen Ausstattung gelegt, aber unter Umgehung vieler dramaturgischer Notwendigkeiten nie zusammengeführt. Die viele Aufmerksamkeit und Zeit, die der Zuschauer investiert, lässt ihn am Ende des Filmes unbefriedigt und freudlos, wie die Filmfiguren selber, zurück. Die schauspielerischen Glanzleistungen gereichen nicht, dieses leere Gefühl damit zu rechtfertigen, dass der Regisseur ja genau das eigentlich im Zuschauer erreichen wollte. So bleibt der Eindruck zwiespältig.

Da sehnt man sich ein wenig nach der atmenden, tragische schwere und duftig heitere Lebensmomente miteinander virtuos verknüpfenden Darstellung eines sehr ähnlichen Themas durch Ingmar Bergmann, an sein Meisterwerk Fanny und Alexander.

 
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