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DOP Stephan Spreer auf Plattform eines
Pegasus-Kamerakrans, hier bei Dreharbeiten zu "Midsommar-Stories" |
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Kamerakräne erlauben es zunächst einmal, die Kamera höher zu
positionieren, als es mit einem Stativ möglich wäre. Zudem können wir
Personen oder Gegenstände unmittelbar unter der Kamera aufnehmen, eine
Perspektive welche mit Dollies oder Stativen unmöglich wäre. Auch die
Ausrichtung und Umpositionierung geht vergleichsweise schnell, bei
Schienen müsste man erst wieder den ganzen Aufbau verschieben und die
Schienen neu mit der Wasserwaage ausrichten.
Gerade in einem zweidimensionalen Medium wie Film und Video können
Aufnahmen vom Kran deutlich mehr räumlichen Eindruck erzeugen.
Aufbau
Klassische Studio oder Location-Kräne bestehen in der Regel aus
mehreren Komponenten:
- Die Basis, welche statisch oder auch fahrbar sein kann
- Den Arm, der die eigentliche Höhenveränderung ermöglicht
- Die Gegengewichte zum Ausgleich zu Kamera und ggf. Operator
- Der Leveling- Arm, ein kürzerer Zusatzarm, welcher dafür sorgt,
dass der Schwenkkopf bei Höhenveränderungen den gleichen Winkel
behält
Kräne nutzen die Hebelgesetze aus und ermöglichen durch die
Gegengewichte zu Kamera und ggf. Operator eine leichte Bewegung, leichtes
Anfahren und leichtes Abbremsen der Kranfahrt. Es ist die Schwungkraft,
welche ein sanftes Anfahren und Abbremsen ermöglicht. Selbst wenn man die
Höhe nicht verändert, erlauben Kräne elyptische Bewegungen die man mit
Schienen nicht realisieren kann.
Bereits die richtige Position zum Aufbau der Basis benötigt eine Menge
Erfahrung. Zu wissen von welchem Punkt aus man die optimale Kranbewegung
erzielen kann, erfordert viel Erfahrung und Übung. Da der Arm bei einer
horizontalen Bewegung die Position der Kamera verändert, ist der richtige
Basispunkt von größter Bedeutung um gute Anfangs- und Endpositionen der
Kranfahrt zu erzielen.
Fahrten
Kranfahrten sind im Prinzip Kamerafahrten in der vertikalen Ebene.
Diese Bewegungsart ist für den Menschen eher ungewöhnlich und entspricht
weniger unserer Raumerfahrung. Bestenfalls das Treppensteigen, Klettern
oder Fahrstuhlfahren ähnelt dieser Art von Bewegung.
Sie ermöglichen dem Zuschauer Sichtweisen, die eine ungewöhnliche
Perspektive wiedergeben, die sonst vielleicht nur Vögel haben.
Kranfahrten können Personen in der vertikalen Ebene verfolgen, etwa wenn
die Filmfiguren Treppen steigen, klettern etc. Oder aber sie sind nicht
durch die Bewegung der Darsteller motiviert und haben filmsprachliche
Qualitäten.
Annäherung und Entfernung
Man kann sich durch eine Kamerafahrt von einem erhöhten Standpunkt aus
einen Überblick über die Örtlichkeit verschaffen und sich dann einer
oder mehreren Personen oder einem bestimmten Motiv nähern. Sie gewährt
zu Beginn eine Übersicht, eine Vogelperspektive und nähert sich dann der
Handlung. Diese Art von Kamerafahrt eignet sich besonders für Film- oder
Szenenanfänge.
Die umgekehrte Fahrt von einer Person oder einem Motiv weg in die Höhe
und zu einer Totalen wird gerne ans Ende eines Filmes oder einer Szene
gestellt. Damit entfernt man sich quasi von einem Geschehen, einer Figur
oder einer ganzen Geschichte. Es ist eine Art Abschluss. Filmsprachlich
kann dies eine Art Lösung, ein sich Entfernen, einen Abschied bedeuten.
Zugleich werden die Menschen, die man eben noch aus der Nähe gesehen hat,
immer kleiner, vielleicht auch unwichtiger oder verlorener. Kranfahrten
die sich entfernen, hinterlassen so ein Gefühl von Lösung von den
Filmfiguren und der Örtlichkeit sagen uns "So ist das Leben".
Beispiel: Léon- der Profi (Luc Besson) Mathilda geht von der
Schießerei fort.
Kameraführung
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Die Kamera wird auf der Plattform
eingerichtet |
Während einer Kranfahrt verändern sich diverse Parameter. Wird etwa
der Kranausleger horizontal bewegt, verändert sich der Bildausschnitt so
als würde man mit einem Schwenkkopf auf einem Stativ horizontal
schwenken. Will man bei der Aufnahme aber den Ausschnitt halten und nur
die Perspektive und den Aufnahmewinkel verändern, muss der Schwenkkopf am
oberen Ende des Krans nachgeführt werden.
Ähnliche Wirkung hat die vertikale Kranfahrt, man verliert das
eingerichtete Motiv unweigerlich aus dem Kameraausschnitt, sobald der Kran
seine vertikale Position verändert. Auch hier muss in den meisten Fällen
die Kamera nachgeführt werden um das Motiv nicht zu verlieren.
Die meisten Kranfahrten lassen sich bewerkstelligen, ohne dass die
Basis bewegt wird. Wenn sich nicht nur der Arm des Krans bewegt, sondern
die Basis fahrbar ist und ebenfalls bewegt wird, ist jede Menge
Koordination erforderlich, um saubere, sinnvolle Bilder herzustellen.
Saubere Fahrten können eigentlich nur auf Schienen bewerkstelligt werden,
die zudem sehr präzise ausbalanciert sein müssen. Der Arm des Krans
verstärkt nämlich jede Ungenauigkeit extrem.
Je weiter die Objekte entfernt sind, die man aufnimmt, desto geringer
ist der plastische Effekt, den eine Kranfahrt bewirkt. Objekte oder
Personen in der Nähe der Kamera ergeben die stärkste räumliche Wirkung.
Schärfe
Damit die veränderten Abstände vom Objekt bei einer Kranfahrt
berücksichtigt werden können, ist in der Regel eine
Schärfezieheinrichtung erforderlich, die fernbedient werden kann.
Kameraseitig sind Objektive notwendig, die Zahnkränze besitzen, an die
man die fernbedienbaren Motore anflanschen kann.
Klassische Kräne
Klassische Kamerakräne (z.B. Chapman "Titan", Movietech
"Felix", Panther "Galaxy", ) sind recht massiv und
erlauben es in den meisten Fällen, dass ein Operator auf der Plattform
des Armes sitzt und das Bild direkt gestaltet. Dies ist und bleibt die
beste Methode der Bildgestaltung, sie ist am organischsten und liefert die
besten Ergebnisse.
Der Operator sitzt auf einer Plattform und gleicht mit dem Schwenkkopf
die Bewegungen des Kranes so aus, dass der gewünschte Bildausschnitt
erreicht wird.
In der einfachsten Variante ist bereit der Jib- Arm, den man auf einen
Dolly montieren kann ein Kran, mit dem man etwa 2-3 Höhenmeter
überbrücken kann.
Es gibt auch kompakte Kräne wie etwa den "Felix" von
Movietech, der sich trotz Plattform für Kameraleute sehr klein zerlegen
lässt und sogar in einen PKW passt.
Teleskopkräne
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Teleskopkräne ermöglichen
Höhenveränderungen auf kleinstem Raum und mit hohen
Geschwindigkeiten |
Hier hat sich besonders die Firma Technocrane (z.B. Supertechno) einen
Namen gemacht und Horst Burbulla als Entwickler der Teleskopkräne sogar
einen Technik-Oscar erhalten. Die Erfindung dieses Kamerakrans geschah
für ein eigenes Filmprojekt von Burbulla, bei dem der Drehort nicht
ausreichend Raum für einen normalen Kran anbot. So entwickelte er den
ferngesteuerten Teleskopkran für sein Vorhaben. Aus der Einzelanfertigung
wurde rasch die Serienproduktion und heute gehören diese Kräne mit zum
Repertoire der Kamerabühne weltweit.
Sie ermöglichen durch eine veränderbare Länge des Armes durch
Teleskopelemente Kamerafahrten auf kleinstem Raum und mit hohen
Geschwindigkeiten ohne die Kranbasis zu verändern. Die Aufbauzeiten von
Teleskopkränen sind deutlich niedriger als die von herkömmlichen
Kamerakränen.
Die aufsehenerregenden elektronisch gesteuerten Kamerafahrten in Filmen
wie Spiderman, Matrix oder Roger Rabbit wären ohne die Teleskopkräne
kaum möglich gewesen. Besonders eindrucksvoll sind die schnellen
Rückwärtsfahrten, die sich mit diesen Kränen verwirklichen lassen.
Leichtkräne
Seit einigen Jahren erfreuen sich sogenannte Leichtkräne (z.B. "Speedy"
von ABC, "CamCrane EFP" von Sachtler oder "Pixy" von
Panther) größter
Beliebtheit. Sie sind wie der Name schon sagt, sehr leicht, meistens aus
Kohlefaser oder Leicht-Aluminium (Flugzeugbau) gefertigt, lassen sich sehr
kompakt zusammenlegen und können von einer Person getragen werden.
Leichtkräne können auf die Schalen von Kamerastativen oder Dollies
(150er Schale) montiert werden und erreichen Kranlängen von etwa 6 bis 9
Metern.
Es versteht sich von selbst, dass hier nur die Kamera in die Höhe
bewegt wird, der Operator bleibt am Boden und überwacht und steuert die
Bildgestaltung mittels einer Steuerung und eines Monitors. Bei den meisten
Leichtkränen kann man vorwählen, ob die Kameraposition beim verändern
der Höhe konstant bleibt, oder ob diese automatisch mitgeneigt wird.
Diese mechanische Anpassung der Neigung ist häufig anzutreffen, das
gleichzeitige Schwenken in der Horizontalen Ebene ist dagegen schon
aufwändiger. Hochwertige professionelle Leichtkräne arbeiten mit
fernbedienbaren Schwenkköpfen, sogenannten Remote-Heads, die dann alle
Schwenkoptionen eines normalen Kopfes zulassen.
Die Fernbedienung kann über Kabel oder Funkfernsteuerung erfolgen, die
angepasste Neigung geschieht meist mechanisch über Seilzüge.
Bei Leichtkränen kann es vorkommen, dass die Führung des Armes am
unteren Ende zu empfindlich reagiert. Da kann es helfen, wenn man den Arm
näher an der Basis bewegt.
Skylift
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Um von einer erhöhten Position aus zu
drehen oder auszuleuchten, reichen Arbeitsbühnen |
Wenn keine Kranfahrt, sondern lediglich ein Dreh von einer erhöhten
Position gewünscht ist, kann auch eine Hebebühne oder ein Skylift
verwendet werden. Diese selbstfahrenden Arbeitsbühnen gibt es nicht nur
bei diversen Mietfirmen, sondern auch bei der Stadt. Damit werden
Straßenlaternen gewartet oder bei den Verkehrsbetrieben Oberleitungen von
Straßenbahnen repariert.
Sie sind aber in der Regel nur als erhöhte Position für
Kameraaufnahmen oder die Positionierung von Scheinwerfern geeignet,
Bewegungen und Höhenveränderungen bei laufender Kamera kann man damit
nicht so sinnvoll ausführen, weil die Plattformen zu sehr
schwanken.
Einzige Ausnahme sind Aufnahmen mit einer Steadicam,- hier gleicht das
Kamerastabilisierungssystem die Schwankungen eines Skylifts aus und
erlaubt damit die Verwendung dieser preiswerten Kranvariante.
Sicherheit
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Basis und Gegengewichte eines
Teleskopkrans |
Große Kamerakräne bewegen erhebliche Gewichte,- kein Wunder können
sie doch Kamera und Operator tragen und durch entsprechende Gegengewichte
ausgleichen. Durch ihre Beweglichkeit stellen sie zugleich ein erhebliches
Gefahrenpotential dar.
Sie sollten also darauf achten, dass sich niemand im Bewegungsbereich
des Krans befindet, außer dem Kamerabühnenmann, der den Kran bedient.
Der Hub- Schwenk und Fahrbereich sollte unbedingt freigehalten werden.
Die Basis sollte stets absolut sicher und auf geradem Untergrund
stehen. Unebenheiten müssen mit stabilen Holz- oder Steinplatten
ausgeglichen werden.
Es kommt immer wieder vor, dass Leute aus dem Team, vor allem
unerfahrene, Praktikanten, ja sogar Schaulustige unter dem Ausleger des
Krans stehen und damit gefährdet sind, verletzt zu werden.
Am Besten ist es, den Gefahrenbereich mit einem Absperrband zu sichern,
so lassen sich Unfälle vermeiden. Eine besondere Gefahrenquelle bei der
Arbeit mit Kränen sind Stromleitungen. Sowohl Überlandleitungen als auch
die Oberleitungen von Straßenbahnen sind ein absolutes Tabu für den
Aufbau von Kränen. Auch wenn Sie gar nicht beabsichtigen, den Kran so
hoch zu bewegen, bauen sie ihn niemals unter Stromleitungen auf. Der Arm
des Kranes muss eine Hochspannungsleitung gar nicht berühren, um zur
tödlichen Gefahr zu werden. Spannungen können bis zu einem Meter weit
überspringen und sind unkalkulierbar.
Seil-Tricks
Wem die Erfahrung mit der richtigen Platzierung von Kränen fehlt, der
kann sich mit der Seil-Methode helfen. Man schneidet ein Seil in der
Länge des Kran- Armes zurecht und macht an dem Punkt, wo der Arm auf der
Basis sitzt, einen Knoten. Dann hält jemand das Seil am Knoten fest und
stellt sich an die Position wo die Basis aufgestellt werden muss.
Anschließend kann man das obere Ende des Seils, also dort wo beim Arm die
Kamera wäre, bewegen und schauen ob man von den erreichbaren Punkten aus,
den Bildausschnitt erreicht, den man sich vorstellt. Dazu kann man die
Kamera oder einem Motivsucher verwenden. Kriegt man von dort seinen
gewünschten Ausschnitt nicht, muss man die Basis verändern. Will man die
Höhe simulieren, kann eine Trittleiter helfen. Auch wenn es vielleicht etwas albern
aussieht, der Umbau einer falsch platzierten Kranbasis braucht ein
Vielfaches an Zeit.
No-Budget Kran
Wer mit einer Steadicam dreht, kann auch mit Hilfe eines
Baustellenbrettes und mehreren Praktikabeln eine Rampe bauen, auf der ein
Operator hinauf oder Herabgehen kann. Damit lassen sich kleinere
Kranfahrten erzeugen.
Wer ruhige Hände hat und mit einer Videokamera mit Klapp-Display
dreht, kann die einfachste Variante einer Kranfahrt quasi aus dem Stand
heraus machen. Man hält die Kamera mit beiden Händen- linke Hand am
Display, rechte Hand am Kameragriff (Schlaufe), geht in die Knie und
beginnt mit der Aufnahme. Dann geht man langsam in den normalen Stand
über, hebt die Kamera am Oberkörper hoch bis sie schließlich über dem
Kopf am ausgestreckten Arm ist. Mit der linken Hand dreht man dabei das
Display jeweils so mit, dass man den Ausschnitt stets sehen kann.
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